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Wellness ist im Trend, aber meist nicht billig. Im ostdeutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern können sich Schweizer aber Ferien in exklusiven Wellness-Hotels leisten. Nicht zuletzt dank des schwachen Euros.
"Das Meer wäscht alle Beschwerden weg" sagte einst der Philosoph Platon, und der Arzt Hippokrates
behandelte Ischias und Rheuma mit Meerwasser. 400 Jahre später prägte der römische Philosoph Plinius die Wendung «gesund durch Wasser» - auf Lateinisch «sanus per aquam». Die Abkürzung davon, „SPA", ist zur
Bezeichnung für den Wellness-Bereich in Hotels geworden.

Wo der Strandkorb her ist
Das Fünfstern-Hotel Neptun in Rostock, direkt am Meer gelegen, wird dieses Jahr 10 Jahre alt. Der Tag beginnt hier mit einem Frühstücksbuffett, das an Reichhaltigkeit kaum zu überbieten ist. Zum Beispiel liegt Aufschnitt von gut einem Dutzend verschiedener Wurstarten auf, und selbst das Birchermüesli, hier «Schweizer Müsli» genannt, muss der Gast aus der Schweiz nicht missen. Anschliessend kann man zum Beispiel den Strand entlangschlendern und beobachten, wie die Wellen den Strand lecken. Man kann sich aber auch in einen
der vielen Strandkörbe setzen und den Blick über das Meer schweifen lassen. Der Strandkorb ist übrigens eine Rostocker Erfindung, die für eine an Rheuma leidende Adlige kreiert wurde. Nach wenigen hundert Metern
in Richtung Osten ist man am Eingang des Hafens angelangt. Dort laufen immer wieder mächtige Schiffe ein und aus, zum Beispiel Fähren aus dem dreieinhalb Stunden entfernten Schweden. Lohnenswert ist anschliessend
ein gemütlicher Bummel entlang eines Kanals in die Altstadt des Stadtteils Warnemünde, vorbei an Cafes, Restaurants und kleinen Läden.
Spezialität Thalasso
Wer den weit ins Landesinnere reichenden Meerhafen erkunden möchte, kann dies auf einer ein-oder
zweistündigen Hafenrundfahrten tun; Start ist ebenfalls an besagtem Kanal. Für Ideen, was man in und um Rostock sonst noch unternehmen kann, wendet man sich am besten an Jens Stirnweiss. Er, der im „Neptun“ für die Ausflüge zuständig ist, weiss enorm viel über die Umgebung. An der Ostsee ist Wellness quasi die Weiterentwicklung der Kurort-Tradition. Hierher fuhren Städter früher zur Kur, um gesunde Meerluft zu tanken. Die Wellness -Spezialität des "Neptun" ist Thalasso, eine Behandlung, mit Meerwasser, benannt nach dem altgriechischen Wort für „Meer“. Diese Art von Wellness gibt es nirgends sonst in Deutschland. Am Abend kann
man als Halbpensionsgast eines von zwei schmackhaften dreigängigen Menus auswählen.
Zwei sich ergänzende Hotels
Szenenwechsel: Einige Kilometer nordöstlich von Rostock, am Eingang zur langgezogenen Halbinsel
Fischland-Darss-Zingst, findet man das Ostseebad Dierhagen. Hier stehen, lediglich eine Dünenbreite vom Meer und wenige hundert Meter voneinander entfernt, die beiden Hotels Fischland und Dünenmeer. Sie
gehören demselben Besitzer und haben auch beide den Standard vier Sterne superior. Das „Fischland“ wurde 1968 erbaut und war zu DDR-Zeiten Funktionären und internationalen Gästen vorbehalten. Mitte der 90er-Jahre wurde es ausgebaut und modernisiert. Das Dünenmeer wurde 2007 erstellt. Die Schwester-Hotels ergänzen einander punkto Konzept : Das "Fischland“ ist für Aktivferien gedacht und verfügt über eine Sportanlage. Zudem ist es familien-freundlich eingerichtet. Das «Dünenmeer» dagegen ist für Gäste eingerichtet, die in den Ferien
gerne ihre Ruhe haben möchten. Es können auch Appartementwohnungen in nebenan liegenden Häusern gebucht werden. In beiden Hotels wird der Gaumen am Morgen bei einem umfangreichen Frühstücksbuffett
verwöhnt. Und am Abend kann man mit Halbpension aus zwei exquisiten Dreigängern auswählen. Besonders erwähnenswert ist die liebevolle Inneneinrichtung der Zimmer. Hier wie dort sind stilvolle SPA-Bereiche
vorhanden, mit einem breiten Angebot von Anwendungen, zum Beispiel Bernstein-Essenzen. Sehr angenehm ist es auch, mit nackten Füßen durch den feinen Sand zu stapfen. Wenn man dann die Schuhe wieder anzieht, spürt man ein wohliges Kribbeln bis in die Beine hinauf - auch eine Art Wellness. Die Ostsee ist eine Schatzkammer für Bernstein", sagt Hoteldirektorin Isolde Heinz, “und mit etwas Glück kann es am Meer
jeder selbst finden.“ Bernstein ist versteinertes Harz und kann bis zu 230 Millionen Jahre alt sein. Im
benachbarten Dorf Ribnitz-Damgarten lädt das Deutsche Bernsteinmuseum zum Besuch. Berühmt ist das geheimnisvolle Bernsteinzimmer. 1717 schenkte es der preussische König Friedrich Wilhelm I. dem russischen
Zaren Peter dem Grossen. Seit 1945 gilt die Wandtäfelung mit Bernstein als verschollen.
Vor dem Schloss golfen
Und noch einmal Szenenwechsel: Etwa 50 Kilometer su?döstlich von Rostock findet man das Golf-und
Wellnesshotel Schloss Teschow. Es liegt mitten in der Region Mecklenburgische Schweiz. Sie heisst so, weil die Landschaft hier aussieht wie das Schweizer Mittelland. Sie ist heute ein Naturpark. Schloss Teschow war ab 1835 der Familiensitz der Familie von Blu?cher. Deren bekanntester Vertreter war Generalfeldmarschall
Gebhard Leberecht von Blu?cher war (1742-1819). Zusammen mit den Engländern unter Wellington
hauen seine preussischen und russischen Truppen Napoleon 1815 bei Waterloo die entscheidende
Niederlage zugefu?gt. Im Jahr 2001 wurde das kleine Schloss, das damals völlig heruntergekommen
war, saniert. Überdies wurde es durch einen Erweiterungsbau in schlossähnlichem Stil auf etwa die fu?nffache Grösse aufgestockt. Von Aussen ist der Unterschied zwischen AIt- und Neubau gut ersichtlich, innen ist
einheitlich alles in royalem Stil gehalten. Zur Anlage gehören auch zwei Restaurants und ein Hofladen sowie ein Kinderclub, wo man die lieben Kleinen zwischendurch abgeben kann. Familien sind hier willkommen,
Kinder u?bernachten bis zum fu?nften Altersjahr gratis. Neben dem Vier-Sterne-Superior-Hotel ist ein 27-Loch-Golfplatz angelegt. Als Taktik kann man es da zum Beispiel mal mit dem Lebensmotto von Hoteldirektor
Ralf Främkel versuchen: „Flach spielen, hoch gewinnen ...“ Die in Anlehnung an römische Thermen gestaltete Saunalandschaft neben dem Schwimmbad ist ein Bjou. Und der Wellness-Bereich wartet mit allerlei Anwendungen auf, bis hin zu Kaviarhaarpflege oder Busenlifting.